Seestadt-Honig

Bienen sind unverzichtbar für die Natur

Vor sechs Jahren hat er sich zum Imker ausbilden lassen. „Meine Eltern hatten einen Kirschbaum im Garten und keine Kirschen dran. Das hat mich nicht losgelassen“, erzählte er seinerzeit. Andreas Bredehorn faszinieren diese Tierchen, ihr ausgeklügeltes Staatensystem und ihre Bedeutung für die Natur. Bienen sind unverzichtbare Bestäuber.

Teilweise 80 Prozent weniger Bienen in Deutschland

Bei Bildern aus China, wo die Menschen in Apfel- und Birnenbäumen herumklettern, um sie von Hand künstlich zu bestäuben, muss sich Andreas Bredehorn schütteln. Die Fluginsekten in der Provinz Sichuan sind durch den Einsatz harter Pestizide verschwunden. Auch Deutschland muss sich sorgen. In manchen Gebieten soll die Zahl der Fluginsekten um 80 Prozent zurückgegangen sein.

35 Bienenvölker an acht Standorten

Die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und Pestizidschleudern gehört mit zu den Ursachen für diese dramatische Bestandsentwicklung bei Bienen & Co. Stadtimker wie Andreas Bredehorn machen die Erfahrung, dass ihre Völker in der Stadt sehr gut aufgehoben sind. „Hier finden sie genügend Gärten, Parks und Grünanlagen. Die Blütenvielfalt ist groß“, sagt der Geestemünder. 35 Völker betreut er an acht Standorten in der Stadt. Hier, an der Coloradostraße, steigt er gerade der Firma Rotek aufs Dach. „Wir haben 120000 neue Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Rolf Treusch.

„Wir haben nur diese eine Welt“

Der Hersteller von Kleinmotoren und -getrieben will „das tun, was man als Unternehmen tun kann, um eine lebenswerte Umwelt zu erhalten“, sagt er: „Wir haben nur diese eine Welt.“ Für einen sehr energieeffizienten Kleinmotor ist Rotek bereits ausgezeichnet worden. Das Unternehmen versucht ständig, seine Produkte, deren Herstellung und die Betriebsstätte besser zu machen. Unter anderem wurde die Beleuchtung auf LED umgestellt. Angesichts dieser Haltung ist es kein Wunder, dass sich Rolf Treusch eines Tages beim Stadtimker meldete, um ihn zu unterstützen. Sie stellt ihm das Firmendach zur Verfügung und kauft den Honig ab, um ihn an Mitarbeiter und Geschäftspartner weiterzureichen. Demnächst soll auch das Betriebsgelände in eine bienenfreundliche Umgebung umgewandelt werden. „Vorbildhaft“, findet Bredehorn. Er hat mehrere Unternehmen, die ihn unterstützen.

Zusammenarbeit mit Kindern

Leben kann Bredehorn vom Seestadt-Honig nicht; er arbeitet im Hafen. Der Mann hat eine Mission, und dafür opfert er seine Freizeit. Er will für Bienen und mehr Naturschutz begeistern. Deshalb arbeitet er mit Schulen zusammen, lässt Kinder imkern, hält Vorträge und führt zu seinen Bienenstöcken oder in seinen Garten. „Die Anfragen häufen sich, das ist richtig klasse“, sagt Bredehorn. Eine Stiftung ist angedacht, um die Bildungsarbeit zu erweitern und den Stadtimker, der jetzt quer durch die Stadt fährt, zu entlasten. Er würde gerne mehr Honig-AGs anbieten wie die an der Oberschule Geestemünde. Zwei Völker stehen dort, gerade will geerntet und der Honig geschleudert werden. Nach einer Reifezeit kommt er dann ins Glas und wird an der Schule verkauft. Der Erlös wird wieder ins Bienen-Projekt gesteckt.

Schüler drehen Film über Bienen

Die Schüler haben einen tollen Film über ihre Bienen gedreht. Auf dem Dach der Firma Rotek füllt sich Bredehorns Styroporkiste mit Honigwaben. „Ich lass den Bienen immer noch gut was drin“, meint der Stadtimker. Der Honig sei schließlich wichtiges Winterfutter. Er rechnet mit einer Ausbeute von rund 15 Kilo Honig pro Volk. „Dieses Jahr hat gut angefangen, aber dann kam die Trockenheit. Die Bienen haben unter dem Flüssigkeitsmangel wirklich gelitten“, meint der Stadtimker. Er bringt Wabenhonig für die Rotek-Mitarbeiter mit: Bruchstücke, aus denen der Honig gelutscht werden kann.

Vorliebe für Rapsblütenhonig

„Lecker“, sagt Rolf Treusch. Der Honig ist relativ dunkel und nicht so süß. „Hier stecken viele Bäume drin“, erklärt der Stadtimker. Der Geschmack hängt davon ab, welche Pflanzen die Bienen zum Nektarsammeln ansteuern. Welchen Honig mag der Stadtimker selbst am liebsten? „Den frischen Honig, gerade geschleudert“, sagt er, „und Rapsblütenhonig.“